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Mitleid mit der SOKO 26: Am Gipfel der Peinlichkeit

Zehlendorf, Mitte September 2015

Vor nicht allzu langer Zeit wurde an dieser Stelle von der traurigen Pflicht jener so genannten Sonderkommission berichtet, die offenkundig tote Spuren zum Oktoberfestattentat untersuchen, die wahren Hintermänner aber nicht ermitteln darf. In der Zwischenzeit bemühten sich diverse Leitmedien um Informationen zur lachhaften Tätigkeit des Polizeihaufens; aber die Bundesanwaltschaft und allen voran Oberstaatsanwalt Weingarten, erlegten der SOKO 26 einen Maulkorb auf, den nicht einmal die BILD-Zeitung abgerissen bekam.

Insider munkelten freilich schon länger, wer nun mit einem Exklusivbericht hervorkommen würde: Unsere Annette Ramelsberger. Die Ramelsbergerin also.

Und was teilt sie mit?

Es geht um jene Frau, die am Tag nach dem Attentat, angeblich noch bevor der Name „Köhler“ in der Zeitung stand, in einem Spind bei einem Sprachschüler ein Flugblatt mit Köhlers Namen und mit Waffen gesehen haben soll:

Wichtige Spur zu Hintermännern führt ins Nichts.

Wenn eine Spur ins Nichts führt, dann ist sie grundsätzlich unwichtig, und sie ist dann auch keine Spur mehr zu den Hintermännern des Attentats. Aber solche Kleinigkeiten stören die Ramelsbergerin nicht, und einen Lektor haben sie nicht bei der Süddeutschen. Irgendwie hat sie mit der Formulierung ja auch Recht; für die SOKO 26 ist es eine wichtige Spur, eben weil sie ins Nichts führt. Eine solche Überschrift muss man aber trotzdem erst einmal zustande bringen.

Diese wichtige Spur also wurde von der Alibi-SOKO nun als Unsinn entlarvt; eine Erkenntnis, die ohne weiteres auch schon bei der Vernehmung dieser unglaubwürdigen Zeugin gewonnen werden hätte können. Der angebliche Mitwisser des Attentats sei nach Argentinien abgehauen, hatte sie ausgesagt, und dann:

Seitdem ist alles, was er und die Zeugin berichteten, miteinander verglichen und auf Belege abgeklopft worden. War der Verdächtige damals in Südamerika gewesen, wie die Zeugin sagte? Ja, aber nicht in Argentinien, sondern in Brasilien. Wann war er dort gewesen? Nicht im Herbst 1980, wie die Zeugin berichtete, sondern erst Anfang 1982 – das beweisen Briefe seiner Verwandten, die sich für den Besuch bedankten. Hatte er damals rechte Ansichten? Nicht wirklich, sagt er, er habe die Zeugin damit nur reizen wollen. Hatte er Kontakte zu Rechtsextremisten? Nichts, was sich beweisen ließe. Und die Flugblätter, die Pistolen? Die hatte der Mann, so sagt er, nie gesehen.

Aha. Gut, eine rechte Gesinnung hätte man dem Mann noch andichten können. Schließlich wurde er ja nach der abstrusen Aussage der „Zeugin“ scharf überwacht und bis auf die Knochen überprüft.

494911Spind

(Kein Spind, gar nichts)

Andere Erkenntnisse freilich lassen sich nicht einmal mehr von Oberstaatsanwalt Weingarten beiseite schieben, zum Beispiel die Sache mit dem Spind, in dem die Flugblätter gelegen haben sollen:

Es habe nicht mal einen Spind gegeben. Auch das prüften die Ermittler nach. Und fanden die Münchner Abendzeitung von 1980, die kritisierte, dass die Aussiedler keine Schränke hätten. Der Mann sagte, er habe seine Sachen unterm Bett verstauen müssen. Doch auch das reichte nicht, um die Spur Nummer 1 zur Seite zu legen.

Heiliger Strohsack, jeder andere, der bei einem wichtigen Verfahren solche Aussagen macht, muss damit rechnen, selber ein Strafverfahren angehängt zu bekommen. Hier aber geht es weiter, und zwar gnadenlos, und straffrei:

Am Ende haben sie sogar noch eine ehemalige Kommilitonin der Frau aufgetan, die den Verdächtigen und die Zeugin erst miteinander bekannt gemacht hatte. Dass sie sich davor nicht kannten, daran erinnern sich der Verdächtige und die Zeugin übereinstimmend. Diese Kommilitonin aber war erst im Oktober 1980 nach München gekommen, nach dem Anschlag. Sie konnte sie also erst danach zusammengebracht haben. Ganz offensichtlich hatte sich die Zeugin, so sicher sie sich auch war, um ein Jahr geirrt. Selbst wenn sie damals Flugblätter gesehen hätte, ließe das nicht auf Täterwissen des Mannes schließen. Denn da war der Name Gundolf Köhler schon allgemein bekannt.

Die Ramelsbergerin gibt sich im weiteren abgeklärt; es wäre sowieso klar gewesen, dass es sich dabei um eine Trugspur handelt, und die Bundesanwaltschaft hätte das ohnehin nur als Strohhalm benutzt, um die Ermittlung wiederaufnehmen zu können. Reine Alibiaktionen also, sogar die Hofberichterstatterin der Bundesanwaltschaft schätzt das in aller Öffentlichkeit so ein.

Vielleicht sollte man den Leser fragen, ob er eine solche Hofberichterstatterin haben wollte, wenn er selber Generalbundesanwalt wäre? Gut, im Moment gibt es keinen GBA, das ist einzuräumen. Aber eine Frau, die man als einzige in der deutschen Medienlandschaft mit so genannten Exklusivinformationen zu solchen Blödsinnsermittlungen versorgt, sollte die die zuständige SOKO eine „Putzkolonne des Rechtsstaates“ nennen dürfen? Das macht die Ramelsbergerin nämlich.

Man hat sich diese hochnotpeinliche Person ausgesucht, um eine hochnotpeinliche SOKO in der Öffentlichkeit als solche darzustellen. Wer kann schon so formulieren wie sie? Vielleicht jener Online-Redakteur, der unter den Weltklasse-Artikel der Rammelsbergerin ein großes Foto der Charlotte Knobloch setzte, mit dem Link zu einem Interview, in dem sie sich gegen neue Ermittlungen zum Oktoberfestattentat ausspricht.

Update:

Der Spott in diesem Beitrag war zu viel; zwar waren wir eh gnädig und haben die ärgsten Peinlichkeiten des Artikels weggelassen, bei der Ramelsbergerin muss der Katzenjammer nach der gestrigen Rauschaktion aber heute früh denn doch zu groß gewesen sein. Sie hat den Text ein wenig aufgehübscht. Genützt hat es freilich wenig.

Aus der Jahrhundert-Überschrift wurde ein formulierungsstarkes Neben der Spur, und diverse weitere frei drehende Elemente wurden getilgt. Wer da neben der Spur war, ist klar.

Eine weitergehende Analyse des gesicherten Originals behalten wir uns vor…

 

6 Gedanken zu „Mitleid mit der SOKO 26: Am Gipfel der Peinlichkeit“

  1. admin sagt:

    All die schoenen Dokus mit den Köhler-Flugblaettern und den 2 Pistolen im Spind… alles nur Blödsinn?

    Ehrlich, ich bin ein Stück weit enttäuscht.

    Was sagt denn Opferanwalt Dietrich dazu? Heulkrampf schon beendet?

    Was ist mit der Hannöverschen Krankenschwester des Helden Chaussy, Mann ohne Hand?

    Immer noch nicht gefunden?

  2. „Putzkolonne des Rechtsstaats“

    So heißt die neueste Version der Ramelsbergerin.

    http://www.sueddeutsche.de/muenchen/oktoberfest-attentat-putzkolonne-des-rechtsstaats-1.2651997

    Deswegen ist die Arbeit der Soko auch keine normale Polizeiermittlung, sie ist ein Aufräumkommando in der Kriminalgeschichte, eine Putzkolonne in Sachen staatlicher Hygiene.

    wenn die Frau wüßte, wie recht sie doch mit dem Satz hat. Leider ist sie vollkommen ahnungslos.

    1. Rudolf Brettschneider sagt:

      ja, meine Herren, da wird eine zweite Ladung fällig

  3. Hier noch zwei aussagekräftige Bildschirmfotografien.

  4. admin sagt:

    bis morgen frueh sollte die Vorlage fuer den Sonntagspost auf NSU LEAKS aber online sein…

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