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Macht und Gejammer der Lügenpresse: Wirtschaftliche Fragen

September 2015, das Weltnetz, unendliche Weiten

In den letzten Jahren ist immer wieder die Frage gestellt worden, wie die so genannten Leitmedien ihre so genannte Deutungshoheit begründen. Man sollte aufpassen, bei der Beantwortung dieser Frage nicht allzu sehr ins Metaphysische abzugleiten, finstere Netzwerke, transatlantische Logen und dgl. hervorzuheben. Sicher spielen solche Sachen, wie in jedem perverskapitalistischen Milieu der westlichen Sphäre, eine Rolle. In der Substanz geht es aber einfach um Geld, Zusammenhalten und Akten.

Ohne jenes Aktenmaterial, das die Polizei für die Behörden anfertigt, kann die Lügenpresse brausen gehen. Da muss dann sogar ein Oliver Schröm auf die „Online-Recherche“ ausweichen, die er elegant an eine Deko-Reporterin seines Teams auslagert. Im Zentrum steht der USB-Stick, der einem von den so genannten Ermittlungsbehörden im Rahmen einer zumeist strafbaren Handlung zugesteckt wird. Nicht umsonst sagt Hans Leyendecker: Das Netz interessiert mich nicht, die haben ja nicht einmal Akten.

Ohne Titel

(Verleihung eines Journalistenpreises; Oliver Schröm und Ullrich Chaussy, im Hintergrund die Ramelsbergerin)

Diese Akten sind bares Geld, besser: Kapital. Der Journalist, der den Ermittlungsbehörden nahe steht, lässt sich das Zeug einfach auf den Rechner schieben. Wie bei jedem Geldgeber sind aber an diese Kapitalisierung Bedingungen geknüpft, ob sie nun ausgesprochen sind oder nicht. Geldgeber, die im Rahmen der vermeintlich geltenden Rechtsordnung handeln (Banken usw.) lassen sich das künftige Verhalten des Geldnehmers schriftlich geben. Bei illegalen Geschäften, wie das im Aktenhandel der Fall ist, geht das natürlich nicht.

In einem solchen Fall müssen die Bedingungen durch latente Zwänge und Drohungen festgeschrieben sein. Ein Journalist eines großen Mediums, der sich zum Beispiel die Ermittlungsakten zum Verfahren gegen einen Politiker geben lässt, weiß, dass er sich in einer bestimmten Weise zu benehmen hat. Selbstverständlich hat er auch eigene Interessen, die er durchzusetzen versucht. Kommt es zu groben Unstimmigkeiten, dann wird der Aktennehmer aber wie bei der Mafia an die Polizei verpfiffen oder er erhält in Zukunft niemals mehr das notwendige Kapital.

Wie in jeder Ökonomie, so ist auch die Aktenökonomie hierarchisch organisiert. Ganz oben muss keiner mehr offen erpressen oder drohen; da werden die unausgesprochenen Richtlinien eingehalten, sonst wären die Kapitalnehmer ja nicht ganz oben angekommen. Die Aufgabe derjenigen Journalisten, die ganz oben in der Hierarchie stehen, besteht im Interessenausgleich zwischen den Mächtigen in den Behörden und im Geldsystem. Es handelt sich um Handelsvertreter der Macht, die mit mehr oder weniger abstoßenden Methoden die Intrigen ihrer Geldgeber ausführen.

Weiter unten wird gerangelt; man kämpft um die Anerkennung der Aktengeber und jener Aktengesellschaften, die sich als Recherchenetzwerke und Medienkonglomerate auf der Basis derjenigen Informationen gebildet haben, die die Polizei, die Politik und die Geheimdienste, aber auch jene Institutionen, die das demokratische System oligarchisch beherrschen, ausgegeben haben.

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(Toussaint Louverture, Negergeneral auf Saint Domingue)

Ganz unten sind diejenigen, die mit den Abfallprodukten, die am Ende der Nahrungskette herauskommen, versuchen, selbständig zu denken. Die Paria der Informationsökonomie, das sind die Verschwörungstheoretiker, die sich ohne Akten oder ohne den Segen von Oben mit ein paar Brotkrumen ein Weltbild zusammenbauen wollen. Sie werden verachtet. Wenn man, wie unsereiner, außer der Reihe an das Zeug gekommen ist, wird es ungemütlich.

Ein Negeraufstand ist zwar lästig, wird aber minimalinvasiv zerschlagen. Der Negergeneral mit den Orden auf der Brust wird ausgelacht, dann ausgehungert und am Ende umgebracht, wenn er nicht ohnehin so blöd ist, sich selbst unglaubwürdig zu machen. Kapital (oder Akten) ganz unten, das geht gar nicht.

Manchmal kommt es zum Stocken in dieser Aktenökonomie. Das ist vor allem dort der Fall, wo der Aktengeber (also Behörden und überordnete Instanzen aus der Welt des Geldes) keinen Nutzen in der Ausgabe von Informationen sehen. Das war zum Beispiel beim Oktoberfestattentat der Fall, mit dem sich auf der Ebene der Ermittlungsergebnisse kein politisches Geschäft machen ließ. Schnell war den Behörden und ihren Herren klar, dass die Ermittlungen nicht auf ein „rechtsradikales Netzwerk“ hinauslaufen. Also hat man kaum etwas herausgegeben. Propaganda geht auch so.

Die Karawane zieht daraufhin weiter und berichtet über was anderes. Ein Neger wie Ullrich Chaussy konnte zwar noch ein wenig beweihräuchert werden, weil es ganz praktisch war, dass er die so brüchige Verdachtskulisse aufrecht erhielt. Man verhinderte seine sentimental-aggressiven Bücher aber nicht, warf ihn nicht aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und verzichtete auf die ökonomische Vernichtung. Er hatte ja eh kaum etwas und sein priesterliches Gelaber lenkte die Linken von den Tätern ab.

Jahrzehnte später ergibt sich nun aber eine Interessenlage, die mit dem NSU zu tun hat: Man will beweisen, dass man offen ist, transparent, dass es gar keine autoritäre Informationsökonomie gibt sondern den Willen, aufzuklären. Also gibt man in Gottes Namen das Zeug raus. Da nichts über Rechtsradikale drin steht, was relevant ist, man aber sicher weiß, dass sich die ehemaligen Neger (inzwischen aufgestiegen) noch in die lauesten Scheinspuren verbeißen werden, um ihr Publikum zu befriedigen, lässt man sich ein wenig bitten und gibt es her. Charity.

In diesem Fall war es dem Netzwerk um Herrn Chaussy freilich nicht zuzumuten, eine Nähe zum Staat einzuräumen. Also schützt man die Opfer und ihr Schicksal vor, diejenigen, die angeblich von den Nazis bedroht werden, um seinen Aktenzugang zu rechtfertigen. Relativ mies; und aus persönlicher Feigheit wird auch noch der so genannte Opferanwalt vorgeschoben, der soll alles kriegen, nicht er selber (wenn er sich auch später mit dem Zeug abfilmen lässt).

Naja, denkt der Leser, menschlich grausam, aber was soll’s.

Damit die Behörden den ganzen Aufwand rechtfertigen können, wird auch noch eine Wiederaufnahme der Ermittlungen angestrengt. Es sind keine Ermittlungen, das weiß mittlerweile auch die Ramelsbergerin. Um das Image geht es. Da lässt man dem Herrn Opferanwalt schon mal ein paar kleine Schwindeleien durchgehen, zum Beispiel die Präsentation einer vollkommen unglaubwürdigen Zeugin. Die Behörde schluckt es.

Sie sehen: Neben der heißen Informationsökonomie und den Akten, die die Lügenpresse wirklich braucht, gibt es auch noch eine Abfallwirtschaft. Da wird mit Dreck und Blut noch ein kleines Geld verdient und staatstreu Image gepflegt.

Es ist eine Wirtschaft mit Müll, in der den Akteuren die Wahrheit so scheißegal ist wie dem Staat die Toten von der Theresienwiese.

 

2 Gedanken zu „Macht und Gejammer der Lügenpresse: Wirtschaftliche Fragen“

  1. Hans sagt:

    Das Wort „Neger“ scheint in Ihren schwachsinnigen, pseudophilosophischen Ausführungen eine zentrale Rolle zu spielen.

  2. admin sagt:

    Frohes Neues!

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