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Traum und Untergang der Wehrsportgruppe Hoffmann VIII: Phantom Hepp

Mitte Juni 1981, Frankfurt am Main

Am Flughafen Frankfurt am Main wird Karl Heinz Hoffmann festgenommen. Seine Kampfgruppe im Libanon hatte kurz zuvor Auflösungserscheinungen gezeigt: Der sympathische Postler Behle war mit seinem späteren frei drehenden Zeugen Mainka aus dem Lager der Fatah zu den Falangisten abgehauen, und die Gruppe um Odfried Hepp hatte sich (wieder einmal) in die deutsche Botschaft abgesetzt. Man hindert Hoffmann daran, in den Libanon zurückzukehren und bringt die Gruppe um Hepp zurück in die BRD, um sie ebenfalls am Flughafen zu verhaften.

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(Telex des BKA, 19.6. 1981; man beachte die Adressaten)

Nach der Festnahme der so genannten Rechtsextremisten, die ja mit der eher links orientierten Fatah zusammen gearbeitet hatten, zerbricht sich die Justiz den Kopf darüber, wie man Hoffmanns Kampfgruppe einzuordnen habe. Teile der Justiz und der politischen Eliten in der BRD wünschen eine Einordnung als terroristische Vereinigung mit Strafbarkeit im Geltungsbereich der Gesetze des Landes. Allerdings lässt sich der Bundesgerichtshof nicht dreinreden und verneint eine Strafbarkeit der Gründung der WSG Ausland nach § 129 StGB. Generalbundesanwalt Rebmann muss die Sache an ein Nürnberger Gericht abgeben.

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(Hetzerischer Pressebericht von Ulf Stuberger, Juli 1981)

Die Gruppe um Hepp sagt in der Haft gegen Hoffmann aus. Neben einer Reihe von schrecklichen Vorwürfen, die später teilweise fallen gelassen werden, Hoffmann aber auf Jahre ins Gefängnis bringen werden, gibt Hans Peter Fraas den Behörden einen Tipp zu jenem Sprengstoff, den er einst Hoffmann im September 1980 „vorbeigebracht“ hatte. Woher das BKA von den gefälschten Dollarnoten weiß, die Hoffmann in den Libanon gebracht haben soll, das mag in diesem Sommer 1981 vielleicht Udo Albrecht wissen.

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(Telex des BKA, Ende Juni 1981)

Es kommt dick für Hoffmann. Seine Leute, genau jene, denen er auch die Desertion verziehen hat, sagen mit voller Wucht gegen ihn aus, teilweise wahrheitswidrig, wie zu vermuten ist und wie sich später vor Gericht zeigen wird. Trotz der Ablehnung einer Strafbarkeit nach dem berüchtigten § 129 ist die Lage verzweifelt.

Die gefangenen Männer um Hepp, jene Gruppe, die vor 1980 bereits im Schwarzwald eine Art Kameradschaft gebildet und im Libanon dann bei diversen Gelegenheiten gemeinsame Sache gemacht hatte, werden auch zum Oktoberfestattentat befragt. Die einschlägigen Befragungen scheinen auf jenen Fund von Köhlers Adresse zurückzugehen, der angeblich bei Hepp gemacht worden sein soll. Das scheint aber nur so.

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(Telex des BKA, Ende Juni 1981)

Die „Gruppe Hepp“, wie Rechtsanwalt Dietrich das Grüppchen aus dem Ortenaukreis noch 2015 beim Schwätzen am Podium nennen sollte, war ein regulärer Teil der WSG Ausland gewesen. Noch 2015 sollte diese Gruppe als eine große Unbekannte im Spiel um das Oktoberfestattentat mystifiziert werden. Tatsächlich hatte man die vier jungen Männer seit 1980 scharf im Blick; insbesondere das Bundesamt für Verfassungsschutz fertigte regelmäßig Lagebilder zur „Gruppe Hepp“ an. Im Gegensatz zu den hauptberuflichen Desinformanten des Jahres 2015 wissen das BfV, aber auch der BND und das BKA sehr genau über den Aufenthaltsort der Männer um Hepp Bescheid.

So weiß man natürlich auch, dass Hepp und seine Kameraden zum Zeitpunkt des Anschlags in Haft sind, und zwar in einem Gefängnis der Fatah. Der zuständige Abteilungsleiter beim BfV besitzt sogar eine Lagekarte, einen Stadtplan von Beirut, in den er die mutmaßlichen Aufenthaltsorte von Hepp und Anhang einzeichnet.

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(Karte BfV zum Vorgang „Lagebild Hepp“, 1980)

Wenn Aktenfex Rechtsanwalt Dietrich noch 2015 innere Erlebnisse beim Studium der Akten zu Hepp feiert, so hätte ihm doch nach halbwegs seriösem Studium der Unterlagen auffallen müssen, dass sein Tatverdacht gegen den Mann aus Achern absurd ist.

Ähnlich erging es der SOKO Teresienwiese, die bereits kurz nach dem Attentat beim BKA, beim BfV sowie beim BND nachfragte, wo denn Hepp abgeblieben sei. Schließlich hatte man nach Köhlers NADIS-Eintrag zur WSG sowie dem angeblichen Fund von Köhlers Adresse bei Hepp Ermittlungsbedarf. Dass dieser Ermittlungsbedarf freilich mit Problemen verbunden war, ergibt sich schon aus der Tatsache, dass Hepp offenkundig nur unter Beanspruchung „ausländischer Quellen“, also Spitzeln bei der Fatah, auszukundschaften war.

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(Vermerk des BKA, Anfang 1981)

Noch 2015 wird Rechtsanwalt Dietrich, eine historisch vollkommen unbedeutende Figur und doch bedeutend als Steller dummer Fragen, die Frage stellen, wieso denn die Protokolle jener Gespräche, mit denen man den Verdacht gegen Hepp mündlich endgültig ausräumte, aus den Akten verschwunden seien. Allein die Sperrfrist jener verschlossenen Akten (bis 2060) zeigt recht deutlich, dass man es hier nicht mit inländischem Informantenschutz zu tun hat. Vielmehr werden offensichtlich die Interessen des israelischen Geheimdienstes geschützt, der die Fatah unterwandert hatte.

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(Dicht auf den Fersen: „Lagebild Hepp“ mit Meldung eines palästinensischen V-Mannes. Sperrfrist bis 2060)

Was immer Odfried Hepp in seinem Leben gemacht hat; das Oktoberfestattentat hat er nicht auf dem Gewissen, und er ist nicht der Grund, warum man uns lückenhafte Akten zum Anschlag liefert. Wieder einmal wird er als Verdachts-Phantom vorgeschoben, um höheren Zwecken zu dienen.

Wer heizte aber den Verdacht gegen Hepp und seine Leute so gnadenlos an? Wer hetzte überhaupt gegen die WSG, wo doch die scheinbaren Verdachtsmomente im Grunde nach wenigen Tagen ausgeräumt waren?

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(Meldung des Deutschen Depenschendienstes, 18. November 1980)

Tatsächlich waren in den Wochen und Monaten nach dem Attentat immer wieder über die großen Presseagenturen und Magazine, teilweise auch über Tageszeitungen, wilde Falschmeldungen und Gerüchte verbreitet worden. Diese oft faustdicken Lügen befestigen das Bild der Öffentlichkeit von der Rolle der WSG im Geschehen und lassen erst gar keine alternativen Hypothesen zu Gruppen und Seilschaften zu, die hinter dem Attentat stehen hätten können.

In einer Meldung des Deutschen Depeschendienstes, einer Nachrichtenagentur, wird etwa das Gerede von Walter Ulrich Behle mit dem Schicksal der „Gruppe Hepp“ vermengt, um einen Verdacht zu erregen. In ihrer Häufung sind solche Agenturmeldungen sehr wirkungsvoll; noch die kleinste Provinzzeitung schreibt daraus ab.

Nur im Bundesamt für Verfassungsschutz, dort ist noch Licht. Auf einen lächerlichen Handzettel – der Vermerk sieht niemals eine Niederschrift – klebt ein Sachbearbeiter der Behörde einen Artikel der Bild-Zeitung. Der Artikel war ihm offensichtlich ins Auge gesprungen. Und tatsächlich: Bereits am 17.10. 1980 war der Artikel erschienen, zu einem Zeitpunkt, als man den Innenminister noch absichtlich im Unklaren über die Frage ließ, ob Hoffmann nun bei der Fatah oder der Falange engagiert sei.

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(Vermerk BfV, Juni 1981)

Da schreibt die Bild ganz offen darüber, dass Hoffmann bei der Fatah tätig sei. Wenn es sich auch um hetzerische Ausführungen handelt (der Begriff des Terrortrainings sollte in den darauffolgenden Jahrzehnten in den festen Sprachgebrauch der Boulevardzeitungen eingehen), so wird doch deutlich, dass hier bestimmte Stellen, die mit der Bild-Zeitung zusammenarbeiten, gute Informationen haben. Ein V-Mann sollte in der Sache befragt werden. Bild schreibt:

„Wehrsportgruppe Hoffmann: Terrortraining bei El Fatah? Mit 20 Anhängern soll der Führer der Wehrsportgruppe Hoffmann zwei Wochen in einem libanesischen Trainingscamp der Terrororganisation El Fatah ausgebildet worden sein. Geheimdienstkreise berichten, Karl Heinz Hoffmann habe neue Explosivgeschosse kennen gelernt. Leiter des Trainingscamps sei der Palästinenser Abdul Ayad gewesen, der das blutige Attentat auf die Olympischen Spiele in München (17 Tote) plante. Der israelische Geheimdienst glaubt, dass Abdul Ayad auch für die Attentate auf das Münchner Oktoberfest (12 Tote) und in Bologna (34 Tote) verantwortlich sein soll.“

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(Vermerk BfV, Juni 1981)

Der Sachbearbeiter gerät mit seinen handschriftlichen Bemerkungen dann in ein Fahrwasser, das in der BRD als nicht gesund zu gelten hat. „Das scheint von den Israelis zu stammen“ notiert er; und es lässt sich tatsächlich nicht bestreiten: Von „israelischen Geheimdienstkreisen“ ist im Artikel die Rede, die einem bestimmten Palästinenser die Schuld am Oktoberfestattentat und anderen Anschlägen anhängen wollen, und von der WSG, die mit diesem Palästinenser in Verbindung stehe.

Ob Rechtsanwalt Dietrich immer noch der Meinung ist, man schütze V-Männer?

Oder doch die Israelis? Nana!

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(Vermerk BfV, Juni 1981)

Lapidar schreibt der Sachbearbeiter dann noch:

„Denen kommt die Verbindung Fatah-Hoffmann sehr gelegen. Bisher gibt es nur Pressegerüchte zu Bologna – Paris – München. In allen Ländern gibt es genügend Know-how, um ohne Hilfe der Fatah Bombenanschläge durchzuführen.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

2 Gedanken zu „Traum und Untergang der Wehrsportgruppe Hoffmann VIII: Phantom Hepp“

  1. admin sagt:

    das lässt tief blicken… hohe Relevanz. Weiter so!

    Unbedingt Frau Knobloch mailen 😉

  2. Ergänzende Erklärung zur BND-Notiz mit Bezug zu Akten vom 03.02.1981

    Bei der vom BND als zuverlässig bezeichneten Quelle handelt es sich zweifelsohne um eine israelische, die aber einer genaueren Überprüfung nicht vollumfänglich standhalten kann. Der Ordnung halber muss vermerkt werden:
    Die als „Feststellung“ bezeichnete Behauptung die vier seinerzeit im Libanon vermissten Deutschen (womit nur Hepp, Dupper, Hamberger und Bergmann gemeint sein können) hätten sich im April 1981 in Tripolis im Bedauwi-Camp aufgehalten, ist falsch.
    Richtig ist hingegen, dass sich Hepp zusammen mit Dupper und einem halben Dutzend weiterer Angehöriger der WSG Ausland im Februar 1981 für einige Tage im Bedauwi-Camp aufgehalten haben, während Bergmann, meiner Erinnerung nach auch Hamberger, zusammen mit weiteren Männern der WSG-Ausland im Bir-Hassan-Camp in Beirut als Wachmannschaft zurückgeblieben waren.
    Odfried Hepp vermerkt in seiner chronologisch relevanten Tabelle zum Libanonprojekt:

    ca. 10.10.1980: Verhör durch Osman (Hoffmann) ohne Folter.
    ca. 24.10.1980: Beginn der täglichen Zwangsarbeit unter Bewachung.
    24./25.12.1980: Weihnachtsfeier in der Wohnung, großes Festessen, eingeladen von der Fatah. Übernachtung mit Handschellen am Bett.
    29.12.1980: Entlassung und Wiedereingliederung inkl. Wiederbewaffnung.
    31.12.1980: Sylvester in Beirut (im Bir-Hassan-Camp)
    Februar 1981: Fahrt nach Tripolis zur Abholung einer Waffenlieferung (aus der DDR). Transport der Waffen nach Beirut. Zuerst ins Bir- Hassan-Camp und dann ins Depot in Sabra.

    Ich habe deutliche Anhaltspunkte dafür, dass der für den israelischen Dienst in Tripolis eingesetzte Späher ein Araber war. Erkenntnisse über WSG-Interna konnte er nicht gewinnen.

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