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Die größte Desinformantin im ganzen Land und die Hepp-Kexel-Gruppe

Mai 2015, Berlin Schöneberg

Der Gipfel der staatlichen Desinformation im Umfeld des Oktoberfestattentats ist das Geraune von der Stasi als treibender Kraft hinter dem so genannten Rechtsterrorismus in der BRD. Zu allen Schandtaten bereite „Journalisten“ und dienstnahe Netztrolle wärmen diesen Käse immer wieder auf, unter tatkräftiger Unterstützung und Anleitung der Stasi-Unterlagenbehörde, diesem Sauhaufen, der den Namen Gaucks zu Recht getragen hat.

Wie immer besteht das Ziel solcher sauberer Seilschaften in der Entwertung bestehender Erkenntnisse zur Verwicklung westlicher Dienste in die terroristischen Verbrechen der 70er- und 80er- Jahre und im Legen von Scheinspuren. Wenn schon die westlichen Dienste belastet werden müssen, weil es gar nicht mehr anders geht, dann in einer sachlich falschen Weise, auf dass niemals etwas herauskommt bei der Aufklärung.

Ein Schulbeispiel für diese Zusammenarbeit von staatlichen Behörden und Journalisten, die ihren Beruf verfehlt haben, ist das Oeuvre der Desinformantin Regine Igel. In dem Märchenbuch „Terrorismus-Lügen. Wie die Stasi im Untergrund agierte“ wird die Erzählung von der Stasi, die den Rechtsterrorismus in der BRD gesteuert haben soll, in einer Hemmungslosigkeit entfaltet, die trotz allem erstaunlich genannt werden kann.

Igels Hetzkram soll im Folgenden anhand eines Beispiels als das entlarvt werden, was er ist: Aggressive Verdachtsprosa, die überall dort Gas gibt, wo der derzeit herrschende Staat und seine Geheimdienste es wollen.

Wir greifen das Beispiel des Auffliegens der Terrorgruppe „Hepp-Kexel“ heraus, weil in der letzten Zeit immer wieder auch an anderer Stelle versucht worden ist, dem Umfeld der Gruppe und ihren Mitgliedern eine Beteiligung am Oktoberfestattentat anzuhängen, freilich ohne jeden Beweis.

Igel behauptet zunächst, die westlichen Dienste hätte die Gruppe um Odfried Hepp und Walter Kexel „hochgehen lassen“ und wertet das als einen „Sieg“ über die Stasi. Als kompetente Rechercheuse überwindet Igel dabei die Schwärzungen der BStU und identifiziert den scheinbaren Rechtsextremisten Werner Kley als angeblichen „Verräter“ der Hepp-Kexel-Gruppe. Kley sei in einem „OV Primär“ von den Leuten des MfS als solcher enttarnt worden, und zwar auf Hinweis des Verfassungsschutzagenten und angeblichen „IM Robby“ Lothar Lienicke (Fußnoten 542-545 bei Igel).

Das Schema ist klar zu erkennen: Igel übernimmt die Auftragslügen eines westlichen Agenten, der sich der Stasi als Desinformant angedient hatte und reproduziert genau jene Desinformation, die der BRD-Geheimdienst der Stasi zum Schutz der eigenen Leute aufgetischt hat. Lienicke deckte mit seinen nachweislichen Lügen den wahren Verräter der Hepp-Kexel-Gruppe. Und Igel deckt mit ihrer Narration, die daraus folgt, den Umstand, dass diese Terrorgruppe in Wirklichkeit von den westlichen Diensten mit dem Know-how zum Bombenlegen ausgestattet worden ist.

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(Vernehmung Dieter Sporleder, 1983)

Die Hepp-Kexel-Gruppe war keineswegs von einem Kley unterwandert, der keine Ahnung von den Planungen und der Logistik der Gruppe hatte. Vielmehr hatte der westdeutsche Verfassungsschutz den sympathischen Postler Behle, Erfinder von Sprengstofflegenden, bezahlten Lügner und „Selbstbezichtiger“ beim Oktoberfestattentat, an die Gruppe herangespielt. Behle war von den Leuten um Hepp und Kexel 1982 auf Reisen mitgenommen worden, man hatte sogar erwogen, eine Propaganda-Druckerei mit ihm aufzubauen.

Besagte Druckerei, die als eine Art legaler Arm der Gruppe gedacht war, sollte kaufmännisch von einem gewissen Andreas Hagen geführt werden. Dieser Provokateur des westdeutschen Geheimdienstes und NPD-Funktionär führte 1982 eine Art Doppelleben als rechtsradikaler Bohemien und biederer Familienvater in Berlin, wobei seine Familie, wie noch zu zeigen sein wird, vom Dienstgeber sorgfältig abgeschirmt worden ist.

Hagen, der von Igel selbstverständlich nicht erwähnt wird (dafür wird der unbeteiligte Kley als „Agent Provocateur“ bezeichnet) hatte im September 1982 nichts besseres zu tun, als die Hepp-Kexel-Gruppe auf einem Zeltlager in der Lüneburger Heide zu Sprengstoffanschlägen anzustiften. Dies erfolgte, nachdem ein gewisser Peter Naumann der Gruppe für ein bescheidenes Entgelt von DM 50 000.- eine Kurzunterweisung im Gebrauch von Sprengstoff angeboten hatte und abgeblitzt war.

Neben der Terror-Anstifterei lockte Hagen Teile der Gruppe nach Amsterdam, wo man offenbar eine Falle aufgebaut hatte und scheiterte.

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(Vernehmung Ulrich Tillmann, 1983)

Nachdem dieser Versuch des VS also in die Hose gegangen war, schien Hagen für seine ehemaligen „Mitstreiter“ nicht mehr erreichbar zu sein. Viel später, vor Gericht, ließ man dann eine fiktive Adresse, die den Berliner Hagen als wohnhaft im norddeutschen Flachland ausweist, in die Anklageschrift aufnehmen.

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(Aus der Anklageschrift gegen Dieter Sporleder, 1984)

Hier wurde also jemand gut versteckt, nachdem er als Agent verbrannt war. Was aber ein rechter verbrannter Agent ist, dessen Aktionen können vor Gericht immer noch als Scheinspuren produktive Verwertung finden. So auch bei Hagen. Besagtes Zeltlager in der Lüneburger Heide wurde in der Verhandlung maßlos als Zeltlager des Terrors aufgebauscht; einfach zu dem Zweck, jene Spur zu verwischen, die tatsächlich zum Know-how der späteren Brandbomben führte.

Dass das Berliner Landesamt für Verfassungsschutz bis 1990 eine Filiale der CIA war, bedarf keiner weiteren Erörterung.

Diese Brandbomben explodierten unter dem Fahrersitz von US-amerikanischen Besatzungssoldaten. Und sie scheinen uns zu einem alten Bekannten zu führen, wie das folgende Zeitdokument nahe legt.

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(Trauerbrief aus dem Gefängnis an die Eltern von Walter Kexel, 1985)

Dieser Brief wurde kurz nach dem Freitod Kexels von einem Mitglied der Gruppe verfasst, einem gebildeten Mann, dem vor Trauer und Erschütterung über den Tod dieses überaus lebendigen Mannes in diesem Moment nur noch die Rechtschreibung des Herzens geblieben war. Als Initiator der Angriffe auf die Amerikaner wird hier der aus anderen Zusammenhängen als arglistiger Sprengstoffablader bekannte Hans Peter Fraas genannt.

Fraas, ein flotter Bankräuber und Lügner vor Gericht, spielte nicht nur im Zusammenhang mit der Planung der Brandbomben gegen die GIs eine dubiose Rolle. Vielmehr zeichnete er sich dadurch aus, an den Anschlägen zwar teilgenommen, diese aber nicht effektiv ausgeführt zu haben. Ohne das Wissen seiner Kameraden sabotierte er die Bombenanschläge, was ihm vor Gericht selbstverständlich große Vorteile einbrachte.

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(Anklageschrift gegen Sporleder, 1984)

Der Widerspruch, der sich zwischen der Anstifterei zum Bombenbau und der tatsächlichen Sabotage der Anschläge ergibt, muss zumindest stutzig machen. Fraas, der heute in einem Zeugenschutzprogramm lebt und zu feige ist, sich in einem Kommentar auf diesem Blog zu Wort zu melden, hatte also die Stimmung in der Gruppe angeheizt, das technische Know-how beschafft und schlussendlich, wie es sich für einen staatlichen Provokateur gehört, die allerschwerste Straftat ausgelassen.

Auch hinsichtlich des Verrats der Hepp-Kexel-Gruppe am 15. Februar 1983 stellen sich Fragen zur Rolle von Fraas. Am Abend dieses Tages sollten sich die Mitglieder der Gruppe in der konspirativen Wohnung „Giovanni“ treffen.

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(Anklageschrift gegen Sporleder, 1984)

Zu dieser Wohnung, in der am Abend des 15. Februar 1983 bereits die Polizei wartete und die nach und nach eintreffenden Mitglieder der Gruppe festnahm, besaßen alle Mitglieder der Gruppe einen Schlüssel. Nur Fraas, der hatte seinen Schlüssel „vergessen“, oder er hatte eben nie einen entgegen genommen. Auch das ein potenziell entlastendes Moment, das sich nicht so recht erklären lässt ohne durch Vorwissen über die Polizei-Aktion.

7

(Anklageschrift gegen Sporleder, 1984)

Dieses Detail wird von der Staatsanwaltschaft dann auch in einer zumindest auffälligen Weise hervorgehoben.

Zum Ende der Gruppe Hepp-Kexel in der konspirativen Frankfurter Wohnung „Giovanni“ muss man wissen, dass heute noch lebende Mitglieder der Gruppe nie offiziell erfahren haben, wer diesen Verrat ausgeführt hat. Weder bei der Polizei noch vor Gericht oder bei einem anderen Anlass wurde bekannt gegeben, wer der Polizei an diesem Tag den entscheidenden Tipp gegeben haben könnte. Dass Ahnungen bestehen, liegt natürlich auf der Hand.

Die einzige „offizielle“ Spur zum Wissen der Polizei wurde allerdings von unserem arglistigen Sprengstoffablader gelegt; er behauptete, bei seinem letzten Treffen mit Kexel von der Polizei observiert worden zu sein, was als entscheidender Hinweis auf die konspirative Wohnung denn doch ein wenig weit hergeholt klingt.

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(Aktenvermerk des hessischen LKA, 1983)

Auch hier ist also eine Legende für das Auffliegen gebaut. Was sie wert ist, mag der Leser entscheiden.

Zurück zur Desinformantin Igel: Die Hepp-Kexel-Gruppe ist nicht von einem Kley verraten, und sie ist nicht von der Stasi, sondern von den westlichen Diensten angeheizt worden. Man muss den Schmarrn des Verfassungsschutzes nicht als investigative Leistung ausgeben. Frau Igel soll sich schämen für ihre oberflächliche Recherche und ihre hetzerische Gaucklerei.

 

3 Gedanken zu „Die größte Desinformantin im ganzen Land und die Hepp-Kexel-Gruppe“

  1. hintermbusch sagt:

    Ich kann zu ihrer Rolle beim Thema Oktoberfest-Attentat nichts beitragen, aber ihr Beitrag zur Arbeit von Michael Buback (dokumentiert in seinem Buch oder auch hier: http://www.hintergrund.de/20090903484/globales/terrorismus/der-fall-verena-becker-und-die-geheimdienste.html) spricht dagegen, dass Regine Igel eine aktive und bewusste Desinformantin zugunsten (west)deutscher Geheimdienste ist. Es erscheint mir deshalb mindestens stark übertrieben zu sein, wenn sie als „größte Desinformantin im ganzen Land“ bezeichnet wird.

  2. Rudolf Brettschneider sagt:

    Der Artikel bezieht sich halt auf Igels Rolle bei der Desinformation im Zusammenhang „Oktoberfestattentat“.
    Und in diesem Zusammenhang hat sie das strittige Prädikat zweifellos verdient.

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