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Die Lügenmäuler vom BND: Philologischer Frontalangriff

BND-Zentrale Pullach, 15. April 1981

Ein hier namenloser (aber erfahrener) Sachbearbeiter der Dienststelle 51 D/ 51 DB fertigt einen Entwurf für ein Schreiben an das Auswärtige Amt an. Das Schreiben soll einen Lagebericht zum eigentlich längst aufgeklärten „alten Hut“ des scheinbaren im vergangenen Jahr verklickern. Der Sachbearbeiter ist gebrieft; er weiß, was er schreiben darf und was nicht, ein bissl was muss schon geheim bleiben, wozu hat man denn einen Geheimdienst.

Also frisch ans Werk. Am selben Tag bekommt der wackere namenlose Sachbearbeiter das Schreiben aber um die Ohren gehauen und muss es gründlich überarbeiten.

(Lagebericht des BND für das Auswärtige Amt, 15. April 1981)

Gut, würde man zunächst denken, da waren die Formulierungen eben zu wenig geschliffen und der Chef hat gemeckert. Tatsächlich ist das aber nicht so, denn das Deutsch des Sachbearbeiters ist sogar besser als das Deutsch seines Chefs. Was war jetzt so schlimm an dem Entwurf, dass er dermaßen zerpflückt zurückkommt, ein Korrektur-Schlachtfeld wie bei den Abc-Schützen?

Was war da los?

(Lagebericht des BND für das Auswärtige Amt, 15. April 1981)

Die Korrektur beginnt relativ harmlos; zunächst wird das ursprüngliche Schreiben des Auswärtigen Amtes, auf das man antwortet, zum „Bezugsschreiben“. Damit wird der Vorgang formalisiert und frei vom Eindruck einer gezielten informellen Anfrage. Schließlich hat das AA dem BND ja keine Anfrage gestellt, sondern es hat „auch“ dem BND (wie der Chef einfügt) eine Kopie zur Stellungnahme geschickt.

Die Dienststelle ist damit als Gegenstand der aktiven Nachfrage außen vor; der Eindruck, man könne davon ausgegangen sein, der BND habe da federführend Wissen angehäuft und hätte befragt zu werden gehabt, ist ausgeräumt. In diesem Sinn korrigiert der Chef dann weiter: Aus phentermine dem scheinbar harmlosen Satz „Bisher sind alle angefallenen Einzelerkenntnisse zu diesem Sachverhalt an das BfV Abt. II weitergeleitet worden“ wird „Hierzu Folgendes: Alle bisher beim BND -51 angefallenen zu diesem Sachverhalt sind an das BfV (Abt. II) geleitet worden“.

(Frühjahr 2003: Der BND verkauft Unterhosen statt Blut, )

Diese Korrektur hat es wieder in sich; durch seine sprachkosmetischen Maßnahmen erreicht der Chef, dass über die unvollständige Weiterleitungen des BND nicht gelogen werden muss, und dass wieder der Eindruck einer gezielten Informationsweiterleitung unterbleibt. Auf gut Deutsch: Man hat unvollständig weiter gegeben und dies ohne einen konkreten eigenen operativen Bezug.

Im Anschluss wird der „Fall“ zur bloßen „Angelegenheit“, und das BfV bearbeite diese nicht nur federführend sondern „hat am nachrichtendienstlichen Sektor die Federführung“. Im Grunde, so klingt es aus dem geschickten Sprachfluss des Chefs, hat der BND kaum etwas mit der Sache zu tun, schon gar nicht als aktiver Part. Er leitet bloß Erkenntnisse weiter, die ohnedies anfallen.

In seinem kosmetischen Eifer korrigiert sich der Chef dann sogar noch selbst; die „neuen“ Erkenntnisse, die er nicht vorliegen haben will, werden zu „zusätzlichen“ Erkenntnissen (also nicht herbeigesehnt und erarbeitet sondern bloß angefallen, will das Unschuldslamm sagen).

Der Schlusssatz des namenlosen Sachbearbeiters geht dann gar nicht mehr; er wird vom Chef-Sprachkosmetiker vollkommen umgekrempelt.

(Lagebericht des BND für das Auswärtige Amt, 15. April 1981)

„Der BND bleibt davon unabhängig weiter bemüht, zusätzliche Informationen im Ausland über den Verbleib der vier Deutschen im Libanon zu beschaffen, um sie unverzüglich an das BfV weiterzuleiten.“

Da mag es den Chef gewaltig gegraust haben; man kann doch nicht offen zugeben, dass man intensiv bemüht ist, Informationen zu beschaffen und die auch noch sofort an das BfV weiterzuleiten, wo man dort doch selber federführend tätig ist. Das geht gar nicht. Man saugt sich doch keine Informationen aus den Fingern, man leitet sie an das BfV, wenn sie im Aufkommensbereich anfallen. Wenn sie einem in den Schoß fallen.

Der BND-Bericht, den das korrigierte Schreiben dem Außenamt verklickern soll, hat es denn auch in sich. Man lese und staune:

(Lagebericht des BND für das Auswärtige Amt, 15. April 1981. Nix Fernzündung, nix Shell sondern Total)

Im Gespräch mit Zeitzeugen konnte geklärt werden, dass es sich bei dieser „Information“ um eine Räuberpistole handelt; nicht einmal die Namen der genannten Personen passen zu den entsprechenden Einsatzbereichen. Es handelt sich um erfundenes Zeug, das der BND in seinem „Aufkommensbereich“ beschafft hat.

Zusammen mit der offenkundigen Funktion dieser „Information“, , hätte das Einräumen einer aktiven Rolle des BND einiges von den tatsächlichen Verhältnissen in diesem „Ermittlungsverfahren“ verraten können. Die sachlichen Unrichtigkeiten in der oben zitierten Schilderung lassen darauf schließen, dass der BND gar keinen vor Ort hatte, auch ein anderer westlicher Dienst in diesem Fall nicht.

Vielmehr wurden offenbar Mitteilungen verwurstet, die aus anderen Quellen „anfielen“. Welche Quellen dies gewesen sein können, müsste der Leser fragen, da ist die Redaktion nicht zuständig.

Frau Knobloch könnte auch nachfragen, man dem BND gar so auffällig immer wieder Geschichten von Hoffmanns angeblicher Schulung in der Fernzündung von Bomben angedreht hat. Warum denn unbedingt Fernzündung, bei Autobomben? Und warum überhaupt immer wieder die Fernzündung?

Hätte da bei der SOKO Teresienwiese was anfallen können, was mit Fernzündung zu tun hat? War da gar noch was in der internen Diskussion, auf das man reagieren musste? So kurz vor dem Abschlussbericht der SOKO?

War dann doch nichts, und man hat es lieber weggelassen? Uns fehlen die Beziehungen, das abzuklären, Frau Knobloch, helfen Sie uns!

(Lagebericht des BND für das Auswärtige Amt, 15. April 1981)

Gar noch aus zwei verschiedenen Quellen soll der Kram stammen; aha. Grammatikalisch wird alles noch ein wenig aufgehübscht, und fertig ist der Bericht.

Wir fassen zusammen: Mit maximalem sprachlichen Aufwand wird die aktive Rolle des BND bei der Konstruktion der Terror-Legende um Hoffmann im Libanon verschleiert. Unser Korrektor hatte dazu allen Grund; jeder Eindruck einer aktiven Rolle bei der offensiven Beschaffung solcher Lügenmärchen müsste später, wenn es alles offenbar wird, die treibenden Kräfte der Intrige offenbaren.

Dass selbst mit diesem verschleierten Lügenmärchen noch die widerlegt werden, will man schon gar nicht mehr hinschreiben.

 

4 Gedanken zu „Die Lügenmäuler vom BND: Philologischer Frontalangriff“

  1. Ch. Knobloch sagt:

    Ich verbitte mir Verstrickungsversuche meiner Person in diese Angelegenheiten.
    Sie sind im übrigen gescheitert-scheinbar wollen Sie es nur noch nicht wahrhaben-in der Sache und überhaupt, herzlichen Glückwunsch!

  2. Rudolf Brettschneider sagt:

    Nana! Niemand will Sie verstricken, so mies wie unsere Gegner sind wir nicht.
    Noch totaler konnten wir scheinbar nicht scheitern… LOL
    Küss die Hand!

  3. admin sagt:

    getroffene Hunde bellen… sogar auf „gescheiterten Blogs“. Man lernt taeglich dazu.

  4. Karl Heinz Hoffmann sagt:

    Frau Knobloch verbittet sich die Verstrickungsversuche in „diese Angelegenheit?“
    Mit der „Angelegenheit“ meint sie offensichtlich das Oktoberfestattentat.
    Hat sie sich nicht selbst in die Angelegenheit verstrickt?
    Hat sie etwa nicht erklärt, man solle in Sachen Oktoberfestattentat keine weitere Ermittlungen anstellen, das heißt keine weitere Aufklärungsarbeit betreiben? Warum hat sie sich in die Debatte um das Verbrechen auf der Theresienwiese eingemischt?
    Da ist es doch ganz natürlich, dass man sich fragt warum Frau Knobloch an der Aufklärung des Verbrechens nicht interessiert ist?
    Es sind mehrere Gründe denkbar.

    1. Sie fürchtet das Klischee vom bösartigen Rechtsextremismus könnte angekratzt, oder gar unglaubwürdig werden. Das Judentum, dem ich prinzipiell überhaupt nicht feindlich gegenüber stehe braucht ein gewisses Maß an Antisemitismus um seine Bedeutung aufrecht erhalten zu können. Das wusste schon Theodor Herzel, der schrieb: „Nur der Druck und der Hass unserer Umgebung presst uns wieder an den alten Stamm.“

    Wer die geheimdienstlichen Quellen genau und unbefangen studiert wird erkennen was wirklich gespielt wurde.

    2. Wenn die wahren Täter ans Licht gezerrt werden, dann wird auch der Mossad nicht ungeschoren davon kommen. Das kann Frau Knobloch nicht gefallen.
    Wieso der Blog Oktoberfest 1980 gescheitert sein soll, hat uns Frau Knobloch nicht erklärt. Die Drahtzieher des Oktobefestattentates können nicht darauf hoffen, dass sie ewig in der Versenkung bleiben. Die Veröffentlichung und Kommentierung der uns zur Verfügung stehenden geheimdienstlichen Quellen wird zur Erhellung der Sachverhalte beitragen.

    Ich weiß, dass sich Frau Knobloch mehrfach abträglich über mich geäußert hat. Ich bin aber deshalb nicht auf dem Kriegspfad. Ich würde mich gerne mit ihr unterhalten. Vielleicht könnte damit so manches Missverständnis ausgeräumt werden, denn der vom katholischen Klerus eingepflanzte Antijudaismus ist das tragischste Missverständnis in der deutschen Geschichte überhaupt. Wir sollten auf eine Endlösung der Judenfrage im Sinne einer ehrlich gemeinten friedlichen „tabula-rasa“ Lösung hinarbeiten.
    Das gegenseitige Stänkern mus aufhören.

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