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Fernsehen: Gedämpfte Blamage und Nazi-Abziehbilder

Oktober 2015, die Glotze des Bayerischen Rundfunks

Gestern Abend war es so weit: Chaussy und sein Kötter Harrich präsentierten ihre Neufassung der alten Oktoberfestattentat-Doku vom Anfang des Jahres. Wie erwartet schnitt man in der Überarbeitung die erkennbar unwahrsten und dadurch peinlichsten Passagen heraus und vermied so den Eindruck, widerlegten Scheinspuren hinterher zu laufen. Die Frau mit den Waffen und den Flugblättern im nicht vorhandenen Spind musste also dran glauben. Stattdessen wurden ein paar Outtakes eingefügt und sensationelle neue Trugspuren eingeführt.

Das Geschäftsmodell des Ulrich Chaussy beruht, wie auch aus der Neufassung dieser Doku ersichtlich, einfach auf Freundschaften mit Opfern des Anschlags und einer durch und durch staatsschützerischen Gesinnung, die es ihm erlaubt, auch noch die radikalsten Rechtsbrüche als investigativen Journalismus zu verkaufen.

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(Staatsschutz und Erbsentarn: Ulrich Chaussy)

Während Hoffmann laut GBA nicht einmal zu Rehabilitationszwecken Einsicht in die Spurenakten nehmen dürfen soll, blättert Chaussy vor laufender Kamera in diesen Akten und macht scheinbar brisante Informationen daraus öffentlich. Während man Hoffmann die Akteneinsicht zu verweigern versucht, weil seine Veröffentlichungen den Ermittlungszweck gefährden könnten, lässt man Chaussy nach Herzenslust stöbern; alle wissen, dass er nur Schrott und Staatsschutz publizieren wird. Da kann man schon mal großzügig sein.

Chaussy spinnt eh nur rum, denkt man zurecht.

Eine Entwicklung im „Werk“ Chaussys ist allerdings ebenso offensichtlich: Je mehr Akten man ihm zuschanzt, desto weniger Argumente hat er für seine paranoiden Verdachtstheorien. Der großartige Verdacht gegen Hoffmann ist nur noch Folklore; es ist nur noch die Hülle einer Verdachtstheorie, die er präsentieren kann, ohne konkrete Unterstellungen.

Sehen wir seinen aktuellen Versuch, die WSG Ausland mit dem Anschlag in Verbindung zu bringen:

Hoffmann und die WSG erscheinen zu Anfang des Ausschnitts nur noch wie Abziehbilder einer publizistischen Zwangsvorstellung. Tarnanzüge, Schnurrbärte usw. Chaussy hat nichts mehr. Wie auf diesem Blog vorhergesagt, muss in die Neufassung der Doku trotzdem der Verdacht hinein, die WSG Ausland sei in den Anschlag verwickelt. Da es aber auch in dieser Hinsicht nichts mehr gibt, und er zu Recht fürchtet, von uns Prügel zu beziehen, schwindelt er den sympathischen Postler und V-Mann Behle in die Story hinein.

Behle wird mit seiner gekauften Rausch-Aktion im syrischen Hotel Byblos („wir waren es“) zwar als V-Mann dargestellt, es kommt aber nie der Gedanke auf, das Geschwätz sei vom Staat oder den Medien ausgegangen. Verdachtskonstruktionen gegen Hoffmann durch V-Leute, so etwas kommt in Chaussys Weltbild nicht vor. Und besonders wichtig: Behles finanzielle Motivation für sein Geschwätz wird verschwiegen. Kein Wort über die Aufträge des Stern und anderer Medien und kein Wort über die Tatsache, dass ein Stern-Journalist Behle und Hoffmann sogar im Flugzeug Richtung Syrien verdeckt begleitet hatte.

Chaussy kann ja nichts gegen den Stern sagen; schließlich schiebt ihm Zitate-Erfinder Oliver Schröm, der Investigativ-Spezialist dieser Zeitschrift, Preise und Kohle in den Arsch.

Recht witzig ist das Filmmaterial aus dem Jahr 1981, das einen Ausschnitt aus einer damaligen Folge von „Report München“ zeigt. Der Herr StA Pflieger, vorzeitiger Waffenverkünder bei Kiesewetter, unterschrieb damals die Akten zur Aussage jenes angeblichen tunesischen Barkeepers, der mit dem V-Mann Behle gesoffen und sein „Selbstbekenntnis“ gehört haben soll. Ein tunesischer Selbstanbieter erscheint mit Rechtsanwalt in der deutschen Botschaft in Paris, will sein Gesicht nicht zeigen, lässt sich aber von „Report München“ abfilmen. Es ging schon mal unauffälliger, Herr Pflieger, aber Sie waren damals ja noch neu im Geschäft, Sie alter Hase des Staatsterrorismus.

Den Kern von Chaussys faktenloser, folkloristischer Verschwörungstheorie bildet nunmehr also das Abziehbild „Hoffmann“ als „mögliches Umfeld“ des „mutmaßlichen Tatbeteiligten“ Köhler. Es ist beweisfähig gemacht worden, dass Hoffmann nicht das Umfeld Köhlers war und dass man an anderer Stelle einfach keine Lust hatte und hat, zu suchen, weil es „bürgerliche“ Kreise wären, in denen zu suchen wäre.

(Den Unterhosenbomber hat er also nicht rausgeschnitten… obwohl ihm seine Aktivitäten in der Zwischenzeit zum Verhängnis geworden sind. Dazu morgen mehr.)

Köhler soll also nach Vorstellung von Chaussy beim kollektiven Anschlag zwar unbeabsichtigt umgekommen sein, wovon neue Scheinspuren (abgerissene „fleischige“ Hände usw.) berichten, sein „rechtsradikales“ Umfeld, das nie existierte, sei aber durch die Aktivitäten von Hans Langemann „gewarnt“ worden, dass man Köhler verdächtige (eigentlich ja ein entlastendes Moment…) Aha: Die angeblich strippenziehenden Kräfte eines Terroranschlags benötigen Zeitungsberichte um über ihre prekäre Lage beim offenen Agieren und die Notwendigkeit von Konspiration aufgeklärt zu werden.

Es ist zum Verzweifeln mit Chaussy. Reihenhaus und Rente, man gönnt es ihm von Herzen.