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Karl Heinz Hoffmann als NSU-Motorradfahrer: Was sich John Goetz aus den Fingern saugen lässt

September 2015, das Weltnetz, unendliche Weiten

Der aus Rundfunk und Fernsehen bekannte Journalist John Goetz hat kurz nach dem so genannten Auffliegen der so genannten Terrorzelle „NSU“ seinen Namen für ein Büchlein hergegeben, das mit heißer Nadel gestrickt war. Das Büchlein sollte im Schnellverfahren eine Deutung der Aktivitäten und des Werdegangs des „Trios“ bieten und gleich schon mal auf Jahre die Version der Bundesanwaltschaft festigen.

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(John Goetz ganz rechts in heiterer Runde; einer der Anwesenden hat noch nie bewusst für westliche Dienste gearbeitet sondern soll sie kontrollieren)

In der Hitze des publizistischen Staats-Gefechtes wurden die übergebenen Akten (auch USB-Beute genannt) allerdings ohne besonders seriöse Prüfung verwurstet; und so kam es, dass man heute ein groteskes Bändchen vor sich liegen hat, das nicht ohne Witz ist.

Goetz ließ sein Schmierenstück von einem gewissen Fuchs abfassen; und der brach sich bei der Recherche kein Bein. Wie er allerdings die Einbindung Karl Heinz Hoffmanns in den NSU bewerkstelligte, wird in die Annalen der Publizistik eingehen. So schreibt der gute Fuchs:

Nach sechs Jahren im Gefängnis ist Hoffmann 1989 aus dem Gefängnis entlassen worden und in seine Heimat zurückgezogen – nach Kahla bei Jena. Hier erhält er sein Elternhaus zurück und wird zu einem der größten Immobilieninvestoren der Stadt nach der Wende.

(Fuchs und Goetz 2012, Seite 189)

Hoffmanns Heimat liegt gefährlich nahe bei Jena, sagt uns der Autor. Dass er viel länger als sechs Jahre eingesperrt war, hätte sich schon durch eine einfache Wikipedia-Recherche herausfinden lassen. Aber wer weiß, was auf seiner USB-Beute drauf war und wer ihm den Kram zugesteckt hat.

In der phantastischen Literatur der Arschgeigen des Staates einmalig ist die dramaturgische Lösung, mit der Hoffmann in seiner gefährlichen Nähe zu Jena nun in den NSU-Kram hineingezogen wird. Es ist eine Szene mit einem großen Motorrad, das nach allgemeiner Lebenserfahrung unbedingt ein heißes Eisen der Marke NSU gewesen sein muss:

Anfang 1996 knattert er auf seinem schweren Motorrad durch eine Kleingartensiedlung am Rand von Kahla. Einige Wochen später folgen rechte Jugendliche und richten sich auf einem angrenzenden Feld am Fuße der Leuchtenburg einen Garten ein. Sie kommen hierher zum Biertrinken, Grillen und – um Schießen zu lernen.

(Fuchs und Goetz 2012, Seite 189f.)

Du liebes bisschen. Hoffmann „knattert“ auf dem Motorrad durch den Schrebergarten. Wer Hoffmann kennt, muss herzlich über diesen Unsinn lachen; wer ihn nicht kennt, muss ihn für einen beinharten Nazi-Rocker halten, der die Spießer aufmischt. Im Grunde eine witzige Vorstellung, die nur mit Realität eben nichts zu tun hat.

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(Historisches Werbeplakat für NSU-Motorräder)

Diese Phantasie ist aber jetzt nicht unbedingt zwingend verbunden mit der Vorstellung, dass Hoffmann später dann „rechte Jugendliche“ gefolgt sein müssten. Dass das Feld vor der Leuchtenburg, von dem die Rede ist, an irgend etwas angrenzt, ist auch klar; nur an was, das wird nicht deutlich. Schließlich wird dann auf diesem Feld auch noch gesoffen.

Hoffmann würde eher zu rauchen beginnen, als junge Leute zum Alkoholkonsum zu bewegen, so viel steht fest. Was denkt er über Fuchsens und Goetzens Unsinn? Was war los nach dem 4.11. 2011?

(Dabei heisst es doch beim ZDF: Dass sich solche Leute beim Fernsehen produzieren dürfen, ist eine Schande)

Zum Schluss der literarisch konkurrenzlosen Szene schmiert dann auch noch Tino Brandt um die Ecke; und siehe: Uwe Böhnhardt ist auch nicht weit.

Tino Brandt pachtet das Grundstück vom rechtsnationalen Coburger Verleger Peter Dehoust, Brandt möchte hier „Zeltlager und Sonnwendfeiern“ veranstalten. Um die 20 junge Männer halten sich regelmäßig auf dem Gelände auf, unter ihnen ist auch Uwe Böhnhardt.

(Fuchs und Goetz 2012, Seite 189f.)

Wer um alles in der Welt hat Goetz den USB-Stick zugesteckt und ihn den Fuchs einspannen lassen?

Was werden die Menschen in zwanzig Jahren über den NSU denken? Man kann nur hoffen, dass sie über den Käse lachen.

Bestellen Sie lieber Hoffmanns Gegenbuch.

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