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Quatsch für Mutter Helga: Stahlhelm und Wehrdienstverweigerung

Juli 2015, Schloss Ermreuth

Aus der Vorgeschichte der WSG, die Rainer Fromm nicht hinreichend kennt und in seiner Dissertation fehlerhaft darstellt.

Im letzten Drittel des Jahres 1973 ergab sich, wie ich damals meinte zufällig, ein Kontakt zu dem damaligen Gebietsleiter des Stahlhelm-Bundes, der formal immer noch existierte, wenn auch nur mehr oder weniger auf dem Papier. Erst Jahre später erkannte ich, dass der Kontakt mit Gebietsleiter Teute nicht zufällig war, sondern von dem Verfassungsschutzagenten Franz Lippert eingefädelt worden war. Die Motivation zu der zeitlich auf nur einige Wochen beschränkte Zusammenarbeit mit dem Stahlhelmbund konnte Rainer Fromm mangels korrekter Informationen aus dem Insiderkreis nicht erkennen.  

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(Unbekannter Soldat der Erkenntnis: Rainer Fromm)

Die Traditionslinie des „Stahlhelm“ führt direkt zu Wehrsportgruppen wie der WSG-Hoffmann. Karl-Heinz Hoffmann muss den Altmitgliedern des personell ausgezehrten Stahlhelm gefallen haben. Er wird, obwohl er nie gedient hat, samt seiner Gruppe in den „Stahlhelm-Gau-Nordbayern“ eingegliedert. (vgl. „Stern“, 28,2. 1974) Nicht umsonst nennen sich die Mitglieder der „WSG Hoffmann“ auch bis 1974 noch „Jungstahlhelme“. (vgl. „dpa“, 10.4. 1989)

(Fromm S. 82)

Eine direkte Traditionslinie sehe ich da nicht, eher eine Intrige des Verfassungsschutzes.

Doch wer eine ideologisch begründete, direkte Traditionslinie vom „Stahlhelm“ zur WSG zu erkennen glaubt, der müsste wenigstens anerkennen, dass, genau deswegen, ideologisch gesehen, eine direkte Linie vom Nationalsozialismus zur WSG nicht unterstellt werden kann.  

Obwohl ungedient, schreibt Fromm; ihr werdet euch wundern, wovon Fromm hier keine Ahnung hat.

Ich gehörte zu dem ersten Jahrgang der nach Gründung der Bundeswehr zum Wehrdienst herangezogen werden sollte. Diesem für meine Begriffe unwürdigen Dienst hatte ich mich seinerzeit entzogen. Der Wehrdienst erschien mir unwürdig, weil er erstens klar erkennbar nicht dem deutschen Volke, sondern nur den Interessen der ehemaligen Feindmächte dienen konnte. Als Deutscher hielt ich den Dienst mit der Waffe unter dem Oberkommando derjenigen Mächte die uns den Friedensvertrag vorenthielten, sogar für ehrenrührig.

Aber es gab noch einen weiteren Grund. Ich wollte mich unter keinen Umständen zu kriegerischen Einsätzen gegen jene Teile des deutschen Volkes, die hinter dem Eisernen Vorhang leben mussten, missbrauchen lassen.

Meine damaligen Beweggründe den Dienst in der Bundeswehr zu verweigern erklärte ich 1973 unter anderem mit Worten wie diesen:

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(nicht von Brecht sondern von Hoffmann; aus: Verse und Gedanken eines deutschen Patrioten, Privatdruck 1973 )

Nachdem ich mich einige Jahre erfolgreich der Musterung entzogen hatte wurde ich schließlich 1967 von der Polizei zwangsweise zur Musterung vorgeführt.

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(Vorführungsbeschluss des Kreiswehramtes Nürnberg, 1967)

Wohl wegen meiner defätistischen Äußerungen bei der Zwangsmusterung, verzichtete der „Bund“ allerdings darauf, mich zwangsweise einzuziehen.

Was es mit der Zusammenarbeit mit dem „Stahlhelm“ auf sich hatte, versuchte Fromm von jemandem herauszubekommen, der als Außenstehender kein Insiderwissen hatte und nur auf eigene persönliche Einschätzungen und Schlussfolgerungen zurück greifen konnte.

Doch die Kooperation dauert nicht lange. Hoffmann will seine Unabhängigkeit gegenüber dem Stahlhelm-Gauführer Teute bewahren: „Hoffmann hat Teute als Aushängeschild, Teute hat Hoffmann als personellen Mantel. Der Bruch kam, als Teute glaubte, er habe eine Untergruppe unter sich. Hoffmann hat aber gemacht was er wollte. (Interview des Autors Peter Kienesberger, 13.9.1995) Außerdem bestehen grundsätzliche ideologische, Differenzen, so der Herausgeber des „Tiroler“, Peter Kienesberger, der Hoffmann schon seit der Zeit der WSG Gründung kennt…

(Fromm, S. 83)

Die Bekanntschaft mit Peter Kienesberger hatte, wohl kaum ohne Wissen des Geheimdienstes, der Verfassungsschutzagent Franz Lippert arrangiert. Näher bekannt oder etwa befreundet war ich mit Kienesberger jedoch nicht. Kienesberger war mir gegenüber von Anfang an stets kühl reserviert. Einblick in die WSG-Arbeit konnte er nicht haben. Was Kienesberger im Zusammenhang mit dem Bruch zwischen Teute und mir aus vermeintlich ideologischen Differenzen bekundet, ist nichts weiter als seine persönliche, in der Sache unzutreffende Schlussfolgerung. Von einem ideologisch begründeten Zerwürfnis zwischen mir und Teute kann keine Rede sein. Teute war, soweit ich das beurteilen konnte, ein ultra-konservativer nationaler Militarist, aber ebenso wie ich kein Nationalsozialist.

Bei unserer Zusammenarbeit war das Weltbild nebensächlich. Bei der ganzen Sache ging es weder mir noch Teute um eine etwaige ideologische Ausrichtung der Wehrsportgruppe. Soweit war ich mir mit Teute einig. Teute war von Lippert dazu aufgestachelt worden, die Zusammenarbeit mit mir schlagartig zu beenden, obwohl der Kontakt mit dem Stahlhelm erst einige Wochen zuvor von Lippert selbst hergestellt worden war.

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(Der Verfassungsschutzagent Franz Lippert, Mitte der 80er-Jahre)

Das Interesse des Verfassungsschutzes war offensichtlich, die heimliche Förderung rechtslastiger Gruppen, um eine politische Manövriermasse zu haben, aber nur solange, wie kein massenmedialer „Paukenschlag“ und damit möglicherweise der Vorstoß in nicht mehr so leicht beherrschbare Größenordnungen zu befürchten war. Es waren nur Lipperts intrigante Einflüsterungen, die den Stahlhelm-Gauführer Teute veranlassten, von mir das Absetzen geplanter Fernsehaufnahmen zu verlangen.

Zum Bruch kam es, als ich Teute, der zuvor sein Einverständnis gegeben hatte, vorhielt, dass er nun, nach dem einmal gegebenen Wort, nicht verlangen könne, die Propaganda-Aktion abzusagen; nicht etwa aus ideologischen Gründen, wie Kienesberger vermutet.

Ob Kienesberger damals über die Agententätigkeit Lipperts Bescheid wusste, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden, doch es gibt eine Äußerung von ihm, die es vermuten lässt.

Vor diesem Hintergrund erscheinen Fromms Äußerungen substanzlos und irreführend.

(Eine Kolumne bis Weihnachten von Karl Heinz Hoffmann zu den Mängeln der Dissertation von Rainer Fromm; Bildgestaltung und Bildunterschriften von der Redaktion)