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Vom Umgang mit V-Männern: Kleine Spitzelkunde in Bildern

70er-Jahre, Umfeld der WSG Hoffmann

Der Spitzel ist kein fester Typus; immer geht er aus seiner Zeit und Umgebung hervor und verkörpert die unterschiedlichsten Rollen. Trotzdem gibt es Konstanten, die es zu erkennen gilt. Aus gegebenem Anlass und weil es immer noch genug Verdachtsjournalisten gibt, die ihre Ahnungslosigkeit zur Geschäftsidee machen, soll heute ein kleiner Bilderbogen des Spitzelwesens entfaltet werden. Dabei wird klar werden, dass Spitzel nicht Spitzel ist und es unterschiedliche Möglichkeiten gibt, mit diesem seltsamen Wesen zu leben oder eben nicht.

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(Vortragsveranstaltung im Dorf Kleingeschaidt, links V-Mann mit Tonbandgerät, 1978)

Bei den „zivilen“ Veranstaltungen Hoffmanns in der zweite Hälfte der 70er-Jahre war zum Beispiel regelmäßig ein gewisser Herr Nöldner anwesend; er ist am Bild oben links zu sehen, sitzend und mit dem Weißbierglas in Reichweite. Für die jüngeren Leser muss erläuternd vorausgeschickt werden, wie man Dicke früher wahrnahm: Sie galten als gemütlich. Heute wäre die Leibesfülle eines Nöldner eher ein Verdacht erregender Umstand; man denke an André Kapke, der sich ja wohl nur aus genau diesem Grund heute mit seiner Glaubwürdigkeit schwer tut.

Herr Nöldner versteckte sich also im zeitgemäßen Kontext hinter seiner Fettleibigkeit und ließ bei den Vorträgen stets ein Tonband mitlaufen; wieder für die heutige Jugend übersetzt käme das in etwa dem Angebot gleich, eine Facebook-Fanpage für den Vortragenden einzurichten oder aber der Geste, während eines wichtigen Gesprächs zwei Handys gleichzeitig auf dem Tisch liegen zu lassen.

Auffälliger geht es eigentlich nicht mehr; Spitzel Nöldner war im Grunde eine Art höflicher Observant, eine stille, altbekannte Tante des Verfassungsschutzes. Hoffmann wusste das und akzeptierte es ohne weiteres, zumal der Verfassungsschutz ja ohnedies erfahren sollte, was im Saal vorgeht.

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(Rechts der Historiker David Irving nach einer Lesung; rauchend der Kameramann der WSG)

Die technischen Aufgaben stellen, wie schon bei Nöldner, eine hervorragende Ausgangsbasis für die Spitzeltätigkeit dar: Mit der Kontrolle der technischen Schnittstelle wird grundsätzlich eine Ableitung von hochwertigen und glaubwürdigen Informationen für den Dienst erleichtert und zudem eine indirekte Einflussnahme auf den Bespitzelten möglich. Für die Jugend: Was heute der Webadministrator, das war früher der Fotograf oder der Kameramann. Einen solchen Dokumentations-Spezialisten hatte auch die WSG in den 70er-Jahren; er ist auf dem zweiten Bild zu sehen.

Ob der Mann mit seinem Rauchen in der WSG durchgekommen ist, ist nicht überliefert. Seine Spitzeltätigkeit gestand er Hoffmann aber ohne weiteres und wurde so zu einem Werkzeug der Manipulation gegenüber dem Verfassungsschutz. Durch das Wissen um die „offene Schnittstelle“ gegenüber dem Gegner konnte die Kommunikation mit diesem sauber geregelt werden. Zudem war es nicht ausgeschlossen, dass Informationen auch in der Gegenrichtung fließen konnten, was dem lächerlichsten Geheimdienst der Welt nicht unbedingt nützlich gewesen sein wird.

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(Hoffmann und Bekannte beim gemütlichen Zusammensein nach einer Vortragsveranstaltung, 1978)

Als besonders dämonisch gelten bei Verdachtsjournalisten so genannte Doppel- oder gar Dreifachagenten. Aber auch mit solchen Erscheinungen lässt es sich leben, wie die Erfahrung aus dem Umgang mit dem Mann oben rechts im Bild lehrt. Dieser Mann, ein Spitzel des Verfassungsschutzes, der sich Hoffmann offenbart hatte und damit auch für ihn tätig war, hatte sich zusätzlich von der Stasi anwerben lassen. Als „IM Kaufmann“ ist er seinen ehemaligen V-Mann-Führern des MfS bis heute in Erinnerung geblieben, wie Mails aus dem Jahr 2015 beweisen. Tatsächlich hat „IM Kaufmann“ Hoffmann nicht geschadet sondern munter als sein Doppelagent gewirkt, und sein Naheverhältnis zur Stasi tat keinem weh.

Freilich lassen sich Spitzel nicht immer kontrollieren, und selbst dann, wenn ein solcher Eindruck entsteht, können sich die Verhältnisse im Laufe der Zeit ändern und verhängnisvoll werden. Der Spitzel kann trotz aller Schläue des Bespitzelten unerkannt sein und bleiben, und von solchen Exemplaren war auf diesem Blog schon öfter die Rede. Ihr Umgang bleibt also ein Spiel mit dem Feuer, bei aller äußeren Gemütlichkeit, die sich auf den Bildern dieses Beitrags andeutet.

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(Einfacher anarchistischer oder polizeilicher Provokateur, im Vorfeld eines Saalschutz-Termins der WSG)

Weniger gemütlich, dafür vergleichsweise leicht zu durchschauen und zu unterbinden, sind die Aktivitäten des Gewaltprovokateurs. Oben im Bild ist ein solcher zu sehen. Der Mann wurde zurückgewiesen, als er sich Ende der 70er-Jahre der WSG für einen Saalschutztermin anschließen wollte, weil er verdeckt Schlagwaffen mit sich führte. Schon dem Äußerlichen nach ist der Mann als Anarchist, also Antifa-Provokateur oder aber als Staatsschutz-Polizist der rauen Sorte zu erkennen, was auf das Gleiche hinausläuft.

Für heutige Verhältnisse würde man ihn etwa dem Schlage eines Michael Einsiedel vom Berliner LKA 532 (Polizeilicher Staatsschutz) zurechnen, wobei wir diesem freundlichen Mann natürlich nicht persönlich unterstellen wollen, dass er auf Seiten der Antifa Steine geworfen oder sonst Straftaten begangen hätte.

Der Provokateur dieser Sorte muss natürlich deshalb sofort abgewiesen und ausgeschieden werden, weil er die bespitzelte Organisation bewusst der polizeilichen Verfolgung aussetzt. Im Jahr 2015 würde er vielleicht aus einer rechtspopulistischen Kundgebung heraus Journalisten verprügeln, einen antifaschistischen Bürgermeister anbrüllen und bedrohen oder bei einem bankenkritischen Aufmarsch des „Schwarzen Blocks“ Steine gegen Polizeiautos werfen.

Wir sehen: Wo Dinge vorgehen, die sich innerhalb des Rahmens der Legalität abspielen und trotzdem dem Staat missfallen, mischen sich die Spitzel drunter. Man kann mit ihnen umgehen, sie benutzen und mit ihnen leben, allerdings nicht immer, weil der Staat ja ein Vernichtungsziel verfolgt.