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Gundolf Köhler und der Nahe Osten: Ängste des Ministers

15.10. 1980, Bundesministerium des Inneren in Bonn

Generalbundesanwalt Rebmann schaut bei Innenminister Baum in Bonn vorbei; das Treffen spielt sich, wie aus den Akten ersichtlich, am späten Vormittag ab. Baum ist in den vorangegangenen Tagen mit wilder Desinformation buchstäblich zum Trottel gemacht worden und will jetzt einen persönlichen Bericht. Rebmann ist in den Tagen nach dem Attentat ebenso vorgeführt worden; wenn Baum bei diesem Treffen für den freiheitlichen Gedanken steht und Rebmann für das Recht, dann hat Karl Marx seinen Begriff der Entfremdung wenigstens nicht umsonst erfunden. Was die beiden Entfremdeten besprochen haben, ist nicht überliefert.

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(Nachträglich eingegangene offizielle Fassung von Rebmanns Bericht, 17.10. 1980)

Rebmanns Bericht, der wenige Dutzend Seiten umfasst, enthält, wie nach umfassender Analyse festgestellt werden kann, in der offiziellen Fassung etwa 50 schwerwiegende Unrichtigkeiten, die den Behörden in Baums Verantwortungsbereich zum Zeitpunkt des Berichts als Unrichtigkeiten bekannt waren und niemals vorgelegt werden hätten dürfen. Dieses erschütternde Dokument der Lüge und der clownesken Unzuständigkeit von Politikern und politischen Beamten der BRD enthält natürlich auch richtige Passagen.

Es enthält aber auch hysterische Passagen; diese Passagen beziehen sich auf „Gerüchte“, Gundolf Köhler habe Kontakte zu Leuten gehabt, die aus dem Nahen Osten gekommen seien. Mehrfach wird ohne Not nachdrücklich dementiert, dass Köhler solche Kontakte gehabt habe.

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(Nachträglich eingegangene offizielle Fassung von Rebmanns Bericht, 17.10. 1980)

Ein solches Dementi, von Baum nachträglich sogar mit einem Ausrufezeichen markiert, lässt insofern tief blicken, als man ja zur gleichen Zeit mit voller Kraft versuchte, Hoffmann und der WSG Ausland den Anschlag auf das Oktoberfest anzuhängen. Solche Kontakte konnten also nicht gemeint sein. Da muss schon was anderes in der Luft gelegen haben.

Ob da der Herr Innenminister was zu erzählen hätte? Oder Frau Knobloch?