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Ullrich Chaussy: Hampelmann des Tiefen Staates

August 2015, das Rundfunknetz, beschränkte Wellen

In einem Interview für Deutschlandradio Kultur gibt der Journalist Ullrich Chaussy Auskunft über seine Arbeit. Im Mittelpunkt steht das Oktoberfestattentat, bei dessen geheimdienstlicher Abdeckung Chaussy über Jahrzehnte unschätzbare Dienste geleistet hat, wissentlich oder unwissentlich. Trotz allem säuselt die freundliche ungeschulte Radiostimme des linksliberalen Staatsprofiteurs im Interview das Lied vom unbeugsamen Aufklärer, nicht ohne in der Projektion auf andere, die an den eigenen Fehlschlägen schuld sind, einiges von der eigenen Persönlichkeit preis zu geben.

In Wirklichkeit hat Chaussy immer die Interessen des Tiefen Staates vertreten. Der jetzt pensionierte Generalbundesanwalt ringt ihm im Laufe des Gesprächs denn auch Respekt ab.

Nach längeren Ausführungen über Journalistenpreise (einer davon kürzlich vermittelt vom Staatslakaien Oliver Schröm) kommt die Rede aufs Geld:

Frage: Sie sind aber tatsächlich freier Radiojournalist beim Bayerischen Rundfunk, das heißt, Sie haben entweder Redaktionsdienst für eine aktuelle Sendung oder Sie werden bei Beiträgen nach Sendeminuten bezahlt. Für Ihre Recherche, die ja gar nicht automatisch zu einem Hörfunkbeitrag führen musste, gar nicht mehr geführt hat, da gibt es ja auch kein verlässliches Geld dafür, oder? Wie haben Sie das gemacht?

Sicher, wer es mit dem Staat aufnimmt, der wird nach landläufiger Auffassung nicht auch noch vom Staat dafür bezahlt. Oder? Muss sich jemand, der sich mit den Geheimdiensten anlegt, Sorgen um die Miete machen?

Chaussy: Ja gut, ich mein, erstens mal war meine Frau damals noch berufstätig, und ich habe eben die anderen Dinge weiter verfolgt, und übrigens: Ganz wichtig, man wird kirre, würde man nur dieses Thema Oktoberfestattentat verfolgen, also, da gibt’s andere Gegenstände, die mich auch über lange Jahre beschäftigen. Und das braucht man fast eigentlich zum seelischen Ausgleich muss ich sagen.

Das mit der Frau funktioniert halt nur, wenn der Charakter der geheimdienstfeindlichen Ansichten so beschaffen ist, dass die nicht auch noch Probleme bekommt. Die Ehefrauen sind nur bei den Rechten betroffen; und wenn der Staat dann auch noch Aufträge vergibt, die einem das seelische Gleichgewicht sichern (Geld ist da kein Thema), dann passt das.

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(Den Tell, den kriegen wir auch noch)

Preisgelder gibt es, und das Netzwerk Recherche gibt es, in dem der Herr Schröm was zu sagen hat. Unangenehm würde es nur dann, wenn so einer wie der Herr Schröm zum Telefonhörer greift und Sie vor der halben Republik als politisch unzuverlässig anscheißt, auf dass selbst den Ehefrauen von Geschäftspartnern die Gürtelrose im Gesicht erblüht vor Angst. Oder wenn Sie irrtümlich mit dutzenden bissigen HIV-infizierten Schimpansen in einem typischen fensterlosen Klo der Spiegel-Redaktion eingeschlossen sind.

So aber geht das schon mit der kritischen Haltung und der Ehefrau.

Frage: Ja, denn ich habe manchmal so das Gefühl, wenn man sich das anguckt, durchliest: Zwischen Besessenheit und Aufklärungswillen, das ist ja auch ein schmaler Grat. War Ihnen der immer bewusst?

Gretchenfragen sind es, die das Deutschlandradio hier stellt. Wird der Befragte solchen Nachfragen seelisch gewachsen sein? Wird er seine jahrelange, sorgfältige Selbstreflexion zutreffend darstellen? Wird dabei sein Arsch vor Gemächlichkeit mit dem staatseigenen Stuhl verwachsen?

Chaussy: Das Schwierigste ist es, einen Tunnelblick zu kriegen. Also wenn Sie beispielsweise damit antreten und sagen: Ich hab so starke Hinweise darauf, dass da mehrere Täter beteiligt gewesen sind, man kann sich auch verrennen. Man kann in die Versuchung geraten, dass man alles nur so sieht, wie man es gerne dann haben möchte. Und eine Recherche, die man aufrichtig führt, führt nicht immer nur zu erwünschten Ergebnissen.

Ja, es ist tatsächlich schwierig, einen Tunnelblick zu kriegen beim Staatsterror; dazu muss man über Jahrzehnte sorgfältig alles ausblenden, was einem nicht passt. Konsequent muss man sich ideologisch vor allem abschirmen, was es an unangenehmen Dingen gibt. Und dennoch kommt es zu den bitteren Momenten, in denen sich das Ich im ideologischen Nahkampf gegen die unerwünschten Ergebnisse direkt zur Wehr setzen muss. Da heißt es dann stark sein; aber der Großmeister des Tunnelblicks bringt auch das zustande.

Frage: Hatten Sie solche Fehlschläge, dass Sie ganz falschen Spuren gefolgt sind?

Gott sei Dank versteht die Fragestellerin die Antwort des staatstragenden Mannes nicht. Dessen Problem sind ja nicht die Trugspuren. Von denen lebt er, die produziert er ja und bläst sie in die Öffentlichkeit aus finanziellen und politischen Gründen. Der Punkt waren die wirklich unangenehmen Sachen, also die echten Spuren, die man nicht mehr ableugnen kann, selbst mit dem Tunnelblick eines Ullrich Chaussy. Aber die Hohe Kunst des ideologischen Umgangs mit der Wahrheit ist nicht Thema im Deutschlandfunk.

Chaussy: Ich hab immer wieder mal mit Informanten zu tun, die, tja, aus welchen Gründen auch immer, die einem Dinge erzählen, die einfach nicht überprüfbar sind, die erdacht sind, und die, ja… Sie müssen es einfach kritisch abprüfen. Und das ist sehr sehr schwierig, also einerseits… also Informanten sind, das sind immer so Personen, die durch irgendwas ein bisschen aus der Bahn geworfen sind.

Auch hier tun sich Verständnisprobleme für den Normalsterblichen auf. Nicht für die Fragestellerin, die ist sowieso jenseits von Gut und Böse; aber der durchschnittliche Zuhörer fragt sich: Kann das der Chaussy sein, der Leute wie den Oktoberfestkasperl Marx Jahrzehnte lang für seine perversen Verdachtstheorien benutzt hat? Einen Mann wie Marx, der durch Haftstrafen, politischen Irrsinn und ein Leben voller Schwindelei aus der Bahn geworfen worden ist? Ach so, Marx hatte ja festen Grund unter den Füßen, wenn es auch der Grund des Tiefen Staates war.

Da sind kritische Überprüfungen nicht notwendig. Den interviewt man, wenn man mit dem Ergebnis ein Tarnunterhosen-Filmchen oder eine miese literarische Kolportage zustande bringt.

Ansonsten sind solche Informanten zweifelhafte Gestalten; es sei denn, sie kommen direkt vom BND und geben die Krankenschwester mit der abgerissenen Hand. Auch hier: Fester Grund unter den Füßen.

Chaussy: Und ich meine, die wertvollen Informationen, die ich erhalten habe, die hab ich ja wohl deswegen bekommen, weil zum Beispiel auch Beteiligte an der Ermittlung offenkundig nicht damit einverstanden waren damit, welche Richtung die ganze Angelegenheit genommen hat.

Alles klar. Am Besten ist es, wenn dem Tiefen Staat die Richtung nicht passt. Dann kommt das Geflüster direkt aus dem Apparat; das sind dann die wertvollsten Informationen. Legenden über „Täterwissen“, die nicht überprüfbar sind und von der SOKO 26 längst als das erkannt worden sind, was sie sind: Geheimdienstlich gesteuerter Mist. Wenn sich der Herr Siegel von der SOKO 26 nicht dagegen wehren kann, dass die Widerlegung dieser miesen Chaussy-Kolportage offiziell verlautbart wird, weil man die positive Verdachtslage gegen Rechts noch bis Weihnachten mitnehmen will, dann ist das zweifellos wertvoll.

Grausam. Ab in die Rente mit dem Hampelmann des Tiefen Staates.

 

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