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Wo der Minister nichts zu sagen hat: Die Tage nach dem Attentat

Bonn, Sonntag 28. September 1980

Zwei Tage nach dem herrscht eine gewisse Verwirrung in Bonn; Franz Josef Strauß hat einen Wahlkampfauftritt am Tag nach dem Massaker dazu benutzt, scharf anzugreifen. Er habe die Geheimdienste demoralisiert, und das sei im Zusammenhang mit dem phentermine Möglichwerden solcher Verbrechen zu sehen. Innenminister Baum wird von der Bild-Zeitung gefragt, ob er nicht dazu Stellung nehmen wolle, schließlich sollten Straußens Angriffe nicht ohne Antwort bleiben; es ist der Nachmittag des 28. September.

Baum setzt sich sofort hin und arbeitet mit seinen Mitarbeitern ein Statement aus, einen so genannten Namensbeitrag, wie er als Mittel der politischen Polemik zu jener Zeit gern eingesetzt wird. Nach Übermittlung des Textes ruft man aus der Redaktion der Bild-Zeitung im Ministerium an und teilt mit, dass man vom Beitrag des Ministers schwer enttäuscht sei.

(Pressemitteilung Bundesministerium des Inneren, 29.9. 1980)

Selbstverständlich wird im Ministerium nach kurzer Beratung eine Kürzung akzeptiert; die Kürzungsforderungen sind freilich eher inhaltlicher Natur. Die Bild-Zeitung will den Konflikt zwischen Strauß und Baum zugespitzt sehen und vor allem jene Passagen nicht akzeptieren, in denen der Minister feststellt, dass die Opfer des Anschlags ein Recht auf die hätten. So etwas erscheint dem Blatt keinesfalls passend.

(Pressemitteilung Bundesministerium des Inneren, 29.9. 1980)

Ohne weiteres hat man die Forderungen der Bild-Zeitung akzeptiert. Die Kürzungen fallen von der Länge des Textes her kaum ins Gewicht, betreffen aber vor allem solche Aspekte, die mit kriminalistischen Grundsatzfragen zu tun haben. Nun scheint die Sache klar zu sein; am Montag soll das Statement erscheinen.

In der Redaktion der Bild-Zeitung herrscht aber immer noch große Unzufriedenheit.

(Pressemitteilung Bundesministerium des Inneren, 29.9. 1980)

Am darauffolgenden Tag wird man sich bitter darüber beklagen, dass des Ministers Beitrag nicht erschienen sei. Die Bild will nicht.

Jener Innenminister Baum, der noch im Januar das Verbot der WSG Hoffmann betrieben, dessen hatte, stößt nun mit seinen Signalen eines wie auch immer zu bewertenden Aufklärungswillens an Grenzen. Diese Grenzen zeigen sich aber nicht nur in der Presse: Auch die vermeintlich eigenen Leute wollen nicht so recht.

Am 7. Oktober wird der Innenminister regelrecht verarscht. Jene , die vom BND in die Welt gesetzt worden war und angebliche Kontakte Hoffmanns zur libanesischen Falange zum Inhalt hat, wird auf groteske Weise konserviert und wider besseres Wissen erneut vorgetragen. Obwohl man sehr genau weiß, dass Hoffmann mit den Todfeinden der Falange, nämlich mit der Fatah, in Verbindung steht, kredenzt man dem Minister ohne jede Hemmungen noch am 7. Oktober den BND-Käse:

(Vorlage an Minister Baum, 7. Oktober 1980, mit handschriftlichem Vermerk Baums)

Der ein wenig verzweifelte Vermerk Baums („Kann denn das nicht schnell geklärt werden!“) spricht Bände. Natürlich , dass Hoffmann in Kontakt mit der Fatah und nicht der Falange steht. Aber man hält es offen, schließlich ist ja Generalbundesanwalt Rebmann noch vor wenigen Tagen einschlägig gebrieft worden.

Das BfV gibt noch seinen desinformatorischen Senf dazu, indem es die Behauptung in die Welt setzt, habe Hoffmann den Export gebrauchter Kraftfahrzeuge in den Libanon vermittelt. Dass Albrecht vor Jahren einen „Ausweis der Fatah“ bei sich gehabt habe, flicht man scheinheilig ein in die künstliche Unsicherheit der Behörde.

Der Minister als Werkzeug, vorgeführt wie ein Kasper, von der Bild und vom eigenen Haus. Der beflissene Antifaschist als Werkzeug des tiefen Staates.